Der Süden bzw. der Südwesten -
irgendwo muss die Reise ja anfangen
Dienstag, 13. Juli
Mit dem Frühzug um 5:26 nach Wien, Abflug 13:35, Planankunft Island um 16:00 Ortszeit, Übernahme des WoMo um 17:30. Und schon bald lernte ich die Gastfreundschaft der Isländer kennen: Ich hätte laut Internet mit dem Bus 4 Stationen (500 IK) zum WoMo-Vermieter fahren sollen, und das sagte ich dem Busfahrer auch. Aber obwohl er nickte, verstand er scheinbar nur Bahnhof. Auf alle Fälle fuhr er bei meiner Station hurtig vorbei und "konnte" erst gut 3 km später stehen bleiben. Da stand ich nun am Straßenrand. Leicht hilflos und weit vom WoMo entfernt. Ein Auto hielt neben mir und der Fahrer fragte mich, ob ich Hilfe bräuchte - und ein paar Minuten später war ich bei der Vermietstation angelangt.
Kurze Einschulung bei der Übergabe, dann ging es los.
Ich hab mich entschieden, die Rundfahrt an der Südwestseite im Gebiet des derzeit aktiven Vulkans Fagradalsfjall zu beginnen, die erste Strecke war allerdings ein Stück nach Westen zum Garður Old Lighthouse, dann fuhr ich  zum Camp GRINDAVIK (2000 IK), nicht aber ohne vorher noch einen Supermarkt aufzusuchen, schließlich hab ich ja nichts ess- und trinkbares im WoMo ...

Mittwoch, 14. Juli - 
Aktives Vulkangebiet: Fagradalsfjall, 8 km östlich
Ziemlich windig in der Nacht, auch teilweise fester Regen. 9 Grad hatte es, als ich den Tag begann. Nach dem Frühstück fuhr ich die 8 km zum Parkplatz 2 des Vulkangebietes, dann machte ich mich bei vielen Wolken (aber ohne Regen) auf die Wanderung. Von der Ferne sah ich den derzeit aktiven Vulkan rauchen, mehr war nicht zu sehen - bis er sich dann doch entschloss, aktiv zu werden: mächtige Lavaausbrüche schossen ca. alle halbe Stunde in den Himmel, man sah auch sehr schön den fließenden Lavastrom. Die ganze Gegend um den Vulkan sieht arg aus, sämtliche Mulden und Täler sind bis an den Rand mit neuer, teilweise noch rauchender Lava gefüllt. Hunderte Besucher sind im Gebiet unterwegs, bis zum Beginn des frischen Lavafeldes kommen aber nicht viele - der Weg ist teilweise sehr steil und nicht einfach zu gehen, außerdem stinkt es nach Kohlengas. Auf dem letzten Kilometer der doch gut 6stündigen Wanderung gab es noch ein kräftiges Gewitter mit Starkregen und noch stärkerem Wind, eine Lammsuppe beim fast Food am Parkplatz tat sehr gut .... Am späteren Nachmittag war ich wieder am Camp Grindavik,  für heute habe ich genug. Kilometer bisher: 75

Donnerstag, 15. Juli - Springquelle Geysir
Entlang der Küste fahre ich nach Osten, mache einen Abstecher zu einem einsamen Strand, an dem vor vielen Jahren ein Fischereistützpunkt war, einig Reste der Steinhäuser sind noch zu erspähen. Viel Moos wächst auf den sehr vielen Steinen, zwischendurch gibt es immer wieder schwarzen Lavasand, auf dem sich Blümchen wohl fühlen. Etwas weiter lädt eine einsame Strandkirche zu einem Halt ein. In Ölfoss biege ich links ins Landesinnere ab, mache einen Fotostop bei einem "Explosionskrater" und komme dann zum Geysir Feld von Geysir. Hier raucht es aus vielen Löchern im Boden, teilweise blubbert es in den Tümpeln und der größte Geysir lässt alle paar Minuten eine mächtige Fontäne in die Luft. Das Wasser im gesamten Gebiet hat zwischen 80 und 100 Grad.
Heute 164 km gefahren, 239 km insgesamt, die Nacht bleibe ich am Campingplatz Geysir.


Freitag, 16. Juli
Der heutige Tag wird zum Tag des Wassers erklärt. Aber nicht, weil es geregnet hat (ein wenig schon), sondern wegen der heutigen Ziele: Am Vormittag der imposante Gullfoss Wasserfall mit 2 Aussichtsplattformen. Der Gullfoss gilt als der größte Wasserfall Islands. Weiter ging die Fahrt in den Süden, wo ich bei der SECRET LAGOON einen zweistündigen Badeaufenthalt einlegte. Im benutzbaren Becken hat das Wasser zwischen 35 und 40 Grad, je nach dem wo man ist. In den anderen (nicht benutzbaren) Becken steigt vom kochend heißen Wasser der Rauch auf, es riecht wie in einer Waschküche. Und auf den Warntafeln steht geschrieben: Temperatur 90 - 100 Grad. Ich komme mit einer Linz-Urfahr-Familie ins Gespräch, sie reisen umgekehrt um die Insel und näheren sich bereits dem Urlaubsende ....
Sehr viel Natur gibt es in dieser Gegend, hunderte Pferde stehen auf den sehr grünen Weiden, immer wieder sehe ich Schafherden. Dörfer gibt es keine, nur alle paar Kilometer sehe ich einen riesigen Bauernhof. Ackerbau gibt es scheinbar keinen, dafür aber Viehzucht.
Nächster Halt war beim Wasserfall Sjelandsfoss, der eigentlich eher "einfach" wirkt, obwohl er die höchste Fallhöhe aller isländischen Wasserfälle hat. Sehr beeindruckend dann wieder einige Kilometer weiter der SKOGAFOSS-Fall. 450 ziemlich hohe Stufen führen zur Aussichtsplattform hinauf, der Aufstieg lohnt sich aber sicher. Die Nacht bleibe ich hier am Camp, gefahren bin ich heute 169 km, insgesamt 408.


Samstag, 17. Juli
Kurz nach 4 Uhr werde ich munter, weil sich ein paar Sonnenstrahlen zwischen den Vorhängen ins WoMo verirrt haben - genau auf mein Gesicht. Natürlich schlafe ich weiter, heute sogar bis halb 9. Strahlend blauer Himmel, kaum Wind - und 12 Grad um 9 Uhr. Eigentlich wollte ich heute ja weiter fahren, aber wenn das Wetter schon so schön ist und ich gestern ober der Aussichtsplattform einen viel versprechenden Wanderweg entdeckte, war klar - ich bleibe und verbrauche den ersten meiner 3 Reservetage.
Also, wieder die 450 Stufen hinauf, dann entlang des Flusses von Wasserfall zu Wasserfall, von Hügel zu Hügel. Immer wieder staune ich über die gewaltigen Wasserfälle, das ganze Panorama ist einfach toll. Und immer wieder sage ich mir, nach dem nächsten Hügel drehe ich um. Aber wie das halt so ist, es wurden viele Hügel, im Endeffekt ging ich 7 km und 650 Höhenmeter, bevor ich "genug" hatte. Fotos habe ich natürlich fast 100 gemacht, auch die Drohne kam zum Einsatz. Und am Parkplatz standen bei meiner Rückkehr 18 Wohnmobile (hauptsächlich neue Carthago und Malibu, auch Leika und Elnagh) samt Begleitfahrzeug - eine geführte Rundfahrt für italienische Wohnmobilisti.

Nach einer längeren Rast am Campingplatz (meine Geräte bekamen ihre schon dringend benötigte Energieladung) fuhr ich dann weiter zum Vogelfelsen und alten Leuchtturm Dyrholaey. Der steinerne Torbogen war leider im Nebel nicht ganz sichtbar, aber das Nationalparkgebiet ist einfach auch ohne Sonne sehenswert.

Die Nacht verbringe ich ungestört bei einer kleinen Kirche in einer 4Häuser-Ortschaft, gefahren bin ich heute 37 km, insgesamt 445

Sonntag, 18. Juli
Alles Gute zum Geburtstag an meine Tochter nach Dubai.
Ich fahre nach Vik, wo ich volltanke und einen Abstecher zum schwarzen Strand mache, es ist fast stürmisch und außer dem Panorama wird nichts geboten. Die Temperaturen steigen heute rasch an, bald hat es 18 Grad und der Himmel ist tiefblau. Viele Kilometer fahre ich entlang von Feldern mit blühenden Alaska-Lupinen durch den Katla Nationalpark. Heute ist Sonntag und viele Isländer sind in Sachen Wochenendausflug bzw. Jahresurlaub unterwegs. Pro 15 entgegenkommenden Autos haben 5 einen Zeltanhänger, 2 einen Wohnwagen, 2 sind Wohnmobile,  5 eindeutig erkennbare Mietmobile (Touristen wie ich) und nur jedes 15. Auto ist ein einfacher PKW. Auch drei A-Kennzeichen entdecke ich, 1 VW-Bus aus KB, einen aus DL und einen Jeep aus VB - auch einen Pössl mit  Schweizer Kennzeichen (LU).
Über die Sandwüste Mýrdalssandur und das Lavafeld Eldhraun („Feuerlava“) gelange ich nach Kirkjubæjarklaustur, wo zwei riesige Campingplätze zu sehen sind. Weiter durch eine sehr interessante Landschaft auf ausgezeichneter Straße, begleitet von Lava- und Lupinenfeldern, saftigen Wiesen mit grasenden Pferden, dann wieder Schotterwüste erreiche ich den Campingplatz beim Wasserfall Svetifoss (befindet sich in Europas größtem Nationalpark Vatnajökull). Das Thermometer zeigt warme 26 Grad, es ist windstill, aber dunstig. Eine Wanderung (50 Minuten, inkl. Blick auf die höchsten Berge Islands) zum sehr interessanten Wasserfall, dann ist Schluss mit dem heutigen Programm. Es war wieder sehr tagfüllend, den Großteil der heutigen Fotos habe ich mit der Drohne gemacht ...   Gefahren bin ich heute 161 km, insgesamt sind es bis heute 611

Montag, 19. Juli
Hab heute bis halb 9 geschlafen (daheim wäre es halb 11!), um halb 10 war ich dann wieder auf Tour. Heute beginnt der Tag als Tag "der Gletscher". Ich fahre auf der Südseite des Vatnajökull-Nationalparks an vielen weit ins Tal reichenden Gletschern vorbei, bei der (touristisch sehr gut vermarkteten) Eisberg-Lagune von Jökulsarlon mache ich den ersten längeren Fotostopp. Immer wieder begegnen mir auf den teilweise Kilometer langen Geraden Radfahrer - natürlich nicht mit E-Bike. Die Gegend entlang der Ringstraße ist wieder sehr interessant - links die aufsteigenden Gebirge mit den Gletschern, rechts abwechselnd Grünland, Schotterwüste und das Meer, immer wieder mache ich Fotopausen. In Höfen, in dem zwei "interessante" Skulpturen stehen, bremse ich beim Netto-Supermarkt ein, ich brauche Nachschub.
Höfn gilt als letzter Ort im Süden, ich überquere sozusagen eine Grenze in den Osten. Bis hierher bin ich heute 155 km gefahren, insgesamt 766. Hier gehts zum Ost-Bericht.